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« Eine Welt, die unseren Verstand, unsere Vorstellungskraft und die Grenzen unserer Gefühle ebenso übersteigt wie unser Verantwortungsgefühl. »

Günther Anders, Die Antiquiertheit des Menschen.

Das Stück handelt von dem Verhältnis zwischen dem Mensch und seiner Umgebung. Zwar hängt dieses vom einen wie vom anderen ab, doch spielen weitere und weitaus komplexere Faktoren mit hinein… Die Entwicklung unserer Gesellschaft erfährt seit Jahren eine stetige Veränderung. Die Welt verändert sich unaufhörlich und der Mensch spielt dabei die Rolle des „genialen Schöpfers“. Er gestaltet nach Belieben die Landschaften und revolutioniert ständig sämtliche Lebensbereiche.

Diese Veränderungen gehen für den Menschen einher mit der Notwendigkeit sich permanent anzupassen. Um zu erfassen, was ihn umgibt, sucht er das Wesen der Dinge. Er versucht die Komplexität des Systems zu verstehen, das sich weiterentwickelt, während er selbst unverändert bleibt. Als „unehelicher Sohn“ kann er sich nicht neu erfinden, sich nach Belieben verwandeln wie seine Produkte, die sich erneuern und ständig verbessern. Er wünscht sich freier, schneller, intelligenter zu werden. Er würde sich gerne jeden Tag neu erfinden, formbarer werden. Aber er weiß, dass sein Wesen, seine Seele ebenso wie sein Körper nicht ebenso formbar sind wie die Materialien, aus denen die Gegenstände um ihn herum geschaffen sind.

Der Mensch wäre auch gerne „original“, er würde gerne seine eigene Art zu denken, zu reflektieren entwickeln. Aber das Hintergrundgeräusch, das über seiner Gesellschaft rauscht, hindert ihn daran. Gegen seinen Willen wird er mit den zahllosen Informationen gefüttert, die sein Denken überfluten, genauso wie es auch die Gespräche tun, die um ihn herum geführt werden. Die Bilder kreisen ohne jemals anzuhalten. Aber es mangelt an deren Verständlichkeit. Welche Unterschiede bestehen zwischen dem Bild und der Wirklichkeit, zwischen dem Schein und der tatsächlichen Welt? Sind wird nicht darauf konditioniert, das, was uns vorgesetzt wird, in unzweideutiger Weise zu verstehen? Vor diesem Schleier, der uns die Wirklichkeit verbirgt, werden die Schönheit und der Schrecken der Fakten zweitrangig, nicht mehr wahrnehmbar.

Auch das Motiv des Drucks durchzieht dieses Stück. Wir unterliegen ihm alle, ohne uns wirklich bewusst zu sein, dass er existiert. Der Mensch hat in weit größerem Maße die Möglichkeit zu zerstören als er sich je vorstellen könnte. Und wie sollte er sich das überhaupt vorstellen können? Er ist so klein angesichts der immensen Macht, die er besitzt. Das Kräfteverhältnis zwischen dem Leben und der Massenvernichtung ist ungleich. Im Laufe der Zeit ist es für den Menschen unbegreiflich geworden, sich das Chaos (und dessen Nachwirkungen) vorzustellen, das er selbst auslösen kann.

Trotz seiner bedrohlichen Seiten kann es sich zart, ja sogar liebenswürdig zeigen. Es gönnt auch Augenblicke der Ruhe und der Entspannung. Für die Dauer eines Seufzers werden wir durch diese Macht beruhigt, die uns fasziniert. Ist das eine Illusion? Oder ist es eher das Gefühl, in seiner Nähe in Sicherheit zu sein? Oft aber entsteht mit dem Wohlbefinden das Verlangen. Mehr zu wissen. Mehr zu haben. Mehr zu wollen. Gestern noch Unbekanntes wird begehrt, wird zum Bedürfnis von heute.

Das Verhältnis der Menschen untereinander ist sehr komplex. Es impliziert eine Vielzahl unterschiedlicher Verhaltensweisen, die sich bei jeder neuen Begegnung verändern. Das Verhältnis zu unserer Umwelt ist ebenso kompliziert geworden und ist mit Widersprüchen beladen. Was erfassen wir von der Welt, in der wir leben? Wie verhalten wir uns zu dem nicht abreißenden Strom von Bildern und Tönen, die auf uns einstürzen? Sind wir uns bewusst, was es bedeutet: „heute auf der Erde leben?“ Können wir es erfassen, erspüren, deuten?

 

Fotos von Ida Zenna

Koproduziert von: Theater Benno Besson

Unterstützt von: Kanton Waadt, Stadt Yverdon-les-Bains, Stadt Sainte-Croix, Ernst Göhner Stiftung, Migros Kulturprozent